RÖMERMAUER KÖLN 
 

DOKUMENTATION

NRW-STIFTUNG FÖRDERT ERHALT DER RÖMISCHEN STADTMAUER IN KÖLN 2022

Die Römische Stadtmauer, Kölns Kulturerbe aus der Antike, muss restauriert werden. Für die Instandsetzung eines Mauerstücks am Mühlenbach stellt die NRW-Stiftung dem Förderverein Römische Stadtmauer e.V. bis zu 250.000 Euro zur Verfügung. Am 11. Mai 2022 überreichte Vorstandsmitglied Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann die Förderurkunde an Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Dr. Marcus Trier und Prof. Dr. Alfred Schäfer vom Verein.


RÖMERTURM MUSS BAULICH GESICHERT UND ANSCHLIEßEND UMFASSEND SANIERT WERDEN 2022

Zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der römischen Stadtmauer von Köln gehört der Römerturm an der Zeughausstraße 13, den man zweifellos zu den Wahrzeichen der Stadt Köln rechnen darf. Der heute noch 5,75 m hoch erhaltene antike Turm ist im Jahr 1900 mit einem historisierenden Zinnenkranz versehen worden. Seine Fassade schmücken geometrische Muster aus Sandsteinen, Tuffen, Kalkstein, Trachyt, Ziegel und selbst einem Stein aus rotem Porphyr (musivisches Mauerwerk). Die unterschiedlich farbigen Steine heben sich markant von der umgebenden Grauwacke ab. Wie der Römerturm dürften ursprünglich alle 19 Rundtürme der römischen Stadtmauer einen solchen musivischen Schmuck besessen haben, wenn auch vermutlich in gradueller Abstufung des dekorativen Aufwandes. Diese Annahme wird durch die archäologische Überlieferung an insgesamt 8 Rundtürmen der Kölner Römermauer gestützt. Als nordwestlicher Eckturm der Umwehrung ist der Römerturm besonders reich gestaltet (Abb 1).
Ende 2018 bis Anfang 2020 hat der Förderverein Römische Stadtmauer Köln e.V. mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen in Abstimmung mit der Oberen Denkmalbehörde in der Bezirksregierung Köln, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, dem Stadtkonservator Köln und dem Römisch-Germanischen Museum, Untersuchungen veranlasst, um den baulichen Zustand des antiken Turmes zu erforschen. Eine detaillierte Schadenserfassung schließt u. a. eine Kartierung der für die Natursteinvarietäten schädlichen Gipskrusten ein, die auf Grund von Umwelteinflüssen schwarz geworden sind (Abb. 2).
Ein wichtiges Ergebnis dieser Untersuchungen, bei der modernste Methoden in einem mehrstufigen Verfahren (3D-Laserscanning, Georadarmessungen Abb. 3, Mikrosondagen) eingesetzt wurden, ist, dass an der Nordseite des Turmes eine Art Blase zwischen Mauerschale und Kernmauerwerk vorliegt. Wie lange diese Blase bereits besteht, kann nicht gesagt werden. Tatsache ist, dass sich auf einer mehrere Quadratmeter großen Fläche Steine der 0,2 m dünnen Mauerschale vom Kernmauerwerk, das aus römischem Zementguss (opus caementicium) besteht, gelöst haben. Der so entstandene Hohlraum zwischen Mauerschale und -kern misst stellenweise bis zu 16 cm. Der mächtige Gussmauerkern des Römerturms misst mehr als 2 m im Durchmesser. Er ist vom Schadensbild nicht betroffen.
Auf Veranlassung eines statischen Gutachtens vom 27.1.2020 ist unverzüglich eine partielle Sicherung des Römerturms errichtet worden, damit die schmuckvolle Mauerfassade keinen Schaden nimmt und die Verkehrssicherheit gegeben ist. Mit Hilfe von Spannseilen, Netzbespannung, Gewichten und Gegengewichten wird die Mauerschale derzeit gesichert. Der Römerturm ist trotz dieser provisorischen Sicherung in großen Teilen zu sehen (Abb. 4).
Nach einer intensiven denkmalpflegerischen Abwägung soll die circa 15 bis 20 Quadratmeter große Ausbauchung der äußeren Mauerschale nun durch eine Verankerung mit dem Kernmauerwerk dauerhaft gesichert werden. Die Ausbeulung wird demnach nicht steingerecht zurückgebaut, was zu einem erheblichen Verlust der originalen Bausubstanz führen würde. Stattdessen soll die Verankerung in den Mörtelfugen ausgeführt werden, um die Steinsubstanz zu schonen. Zur Konzeptionierung der nachhaltigen Sicherungsmaßnahme wurden im Auftrag des Fördervereins Römische Stadtmauer Köln e. V. drei Probeanker gesetzt, um die Einbaubarkeit von Mikroankern zu prüfen. Die runden, im Durchmesser sieben Zentimeter großen Ankerplatten benötigen jeweils eine vollflächige Auflage, die durch Gießblei hergestellt wird (Abb. 5). Die Einbringung der Probeanker und die nachfolgenden Zugversuche im Oktober 2020 waren erfolgreich. Laut statischem Gutachten müssen drei bis vier Mikroanker pro Quadratmeter gesetzt werden. Das sind insgesamt circa 90 Anker im Bereich der statisch kritischen Ausbauchung.
In seiner Sitzung am 3. Februar 2022 hat der Rat der Stadt Köln die Beschlussvorlage der städtischen Verwaltung bestätigt, die statisch kritische Ausbauchung am Römerturm mit Hilfe von Mikroankern zu sichern. Die Baumaßnahme der Stadt Köln, die durch ein neues Montagegerüst begleitet wird, kann nur in den frostfreien Monaten des Jahres ausgeführt werden. Es handelt sich um eine unabdingbare Voraussetzung für die dringliche Gesamtsanierung des Römerturmes, die somit erst in der zeitlichen Nachfolge stattfinden kann.


Abb. 1 Römerturm an der Zeughausstraße 13, Foto 2007; RGM (A. Schäfer)
Abb. 1 Römerturm an der Zeughausstraße 13, Foto 2007; RGM (A. Schäfer)
Abb. 2 Römerturm, Foto 2018; RGM (A. Schäfer)
Abb. 2 Römerturm, Foto 2018; RGM (A. Schäfer)
Abb. 3 Georadarmessungen am Römerturm, Foto 2019; RGM (A. Schäfer)
Abb. 3 Georadarmessungen am Römerturm, Foto 2019; RGM (A. Schäfer)
Abb. 4 Provisorische Sicherung am Römerturm, Foto 2020; RGM (A. Schäfe
Abb. 4 Provisorische Sicherung am Römerturm, Foto 2020; RGM (A. Schäfe
Abb. 5 Mikroanker am Römerturm, Foto 2020; RGM (N. Watrin)
Abb. 5 Mikroanker am Römerturm, Foto 2020; RGM (N. Watrin)


Gereinigte Musterfläche vom Römerturm 2019 (Foto: S. Heym, Denkmalteam fmk)

Um den Römerturm als ein Wahrzeichen der Stadt Köln zu erhalten, sind umfängliche Restaurierungsmaßnahmen dringend erforderlich. Nicht nur die für die Natursteinvarietäten schädliche Gipskruste, die auf Grund von Umwelteinflüssen schwarz geworden ist, muss fachgerecht mit modernen Restaurierungsmethoden (Laserreinigen, Mikropartikelstrahlen und so weiter) abgenommen werden, sondern auch die gesamte Bleiabdeckung zur Regenwasserableitung gilt es zu erneuern. Aus statisch-konstruktiven Gründen steht als erste Maßnahme eine Sicherung einer leichten Auswölbung der äußeren Mauerschale an der Nordseite des Turmes an. Hier hat sich auf mehreren Quadratmetern das Schalmauerwerk vom Mauerkern aus römischem Beton gelöst. Dies wurde durch Vermessung, Radaranalyse und einzelne Sondagen festgestellt. Die genaue Erfassung des Schadensbildes, die eine Voraussetzung für die Restaurierung darstellt, wurde großzügig aus Mitteln des Denkmalförderprogramms des Landes NRW, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Fördervereins Römische Stadtmauer Köln e. V. finanziert. Köln steht nun vor der großen Herausforderung, die kostenintensive Restaurierung des Römerturms zum Schutz des eigenen kulturellen Erbes zu tragen.


ERFOLGREICHER ABSCHLUSS DER RESTAURIERUNGSARBEITEN AN DER RÖMISCHEN STADTMAUER ZEUGHAUSSTRAßE / BURGMAUER 2018

Im Auftrag des Fördervereins „Römische Stadtmauer Köln“ wurde das über circa 87 m lange und im Mittel 4, 80 m hohe Teilstück der römischen Stadtmauer an der Zeughausstraße/ Burgmauer fachgerecht saniert. Die Sanierungsmaßnahme beinhaltete eine vollständige Instandsetzung der schadhaft geworden, modernen Abdeckung der antiken Mauerkrone. Außerdem wurde tief gehendes Wurzelwerk, das die Mauerwerkssubstanz schädigte, vollumfänglich beseitigt und gelockerte Werksteine neu versetzt. Die Restaurierung wurde von Dipl. Restaurator Bruno Piek unter der Fachaufsicht des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln durchgeführt.

Für die großzügige Förderung dieser Maßnahme gilt der Irene und Sigurd Greven Stiftung und der C. L. Grosspeter Stiftung ein besonderer Dank.

Der vergleichsweise gute Überlieferungszustand der römischen Stadtmauer an der Zeughausstraße/ Burgmauer gründet darauf, dass die Mauer von 1441 bis 1837 konstruktiver Bestandteil des reichsstädtischen Kornhauses von Köln gewesen ist. Anlässlich des Baus eines preußischen Militärwagenhauses auf Höhe des heutigen Parkplatzes der Bezirksregierung Köln wurde das Kornhaus niedergelegt und damit die römische Stadtmauer baulich freigestellt. Heute wird die gesamte römische Stadtmauer in diesem Bereich von der U-Bahn unterfahren und ist auf einzelnen Stahlbeton-Böcken aufgelagert.

Restauriertes Mauerstück
Restauriertes Mauerstück
Alter Zustand
Alter Zustand